Kunst & Feste

flz I Space – Die Schmiede

SCHMIEDE
WERKSTATT
DENKMAL
KUNST
 

Foto: Thomas Häntzschel / Fotoagentur Nordlicht
 
 

:: Erbaut nach 1900 für die Marinebarackenlager, Nutzung als Werkstatt und Schmiede

:: eingeschossiges Gebäude aus Ziegelmauerwerk
– 7 preußische Kappengewölbe
– Schmiedefeuer mit Schornstein
– Ziegelsteinfußboden und Satteldach

:: ab 1945 Aufnahme von Flüchtlingen im Barackenlager

:: ab April 1947 Aufbau einer Flachsröste als Flachsverwertungsgenossenschaft „Rüflin“

:: 1954 schrittweise Umwandlung in einen MTS- und LPG-Stützpunkt

:: 1974 LPG (P) Lauterbach

:: 1990 Auflösung der LPG (P) Lauterbach

:: 1990 Gründung des Unternehmens Fahrzeug- und Landmaschinenzentrum Lauterbach GmbH

:: 1990 bis 1992 Schmiede im flz I Stahl- und Metallbau Lauterbach GmbH

:: ab 1992 Leerstand, Zerfall der Dachkonstruktion, Einsturz des Kappengewölbes

:: 1992 geht Wolfgang Hoge, der letzte Schmied der LPG (P) Lauterbach, in den Ruhestand

:: 2007 Wiederaufbau der Dachkonstruktion

:: 2010 Reinigung der Wand-, Decken- und Bodenflächen

:: 2010 Wiedereinbau der historischen Fenster, Einbau neuer Türanlagen, Inbetriebnahme des Schmiedefeuers

:: 2010 Sommerfest flz I Lauterbach

:: 2014 Standort des Kunstsommers INS BLAUE des Künstlerverbandes MV, Videoinstallation

:: 2015 Tag des Offenen Denkmals Initiator: Deutsche Stiftung Denkmalschutz
 
 

flz I Space – Die Schmiede (Innenansicht) I Foto: Christiane Burwitz

 

Die Geschichte davor

Text aus: „Evakuierte, Flüchtlinge und Vertriebene auf der Insel Rügen 1943 – 1961“,
Martin Holz, Böhlauverlag Köln Weimar Wien 2003, S. 499 ff

 
In Lauterbach lebten dann in einer größeren und einer kleineren Baracke 24 Familien in je zwei Zimmern und einer Wohnküche. Neben den Sudentendeutschen waren dort zwei hinterpommersche Fischerfamilien aus Dievenow untergekommen. Im Laufe der Jahre richteten sich die Familien Gärten ein, Obstbäume wurden gepflanzt, und an den Südwänden der Baracken rankten sich Weinpflanzen.
 
Im April 1947 gründeten 23 Sudetendeutsche die Flachsröste als Flachsverwertungsgenossenschaft „Rüflin“. Die Vorstandsmitglieder erschienen am 18. April 1947 beim Amtsgericht Bergen. Die Eintragung in das Genossenschaftsregister erfolgte am 21. April 1947 als Flachsverwertungsgenossenschaft „Rüflin“.
 
Im Statut wurde die Zielstellung des Unternehmes beschrieben: Gegenstand des Unternehmens ist der Anbau von Flachs und Hanf und die Verarbeitung bis zum fertigen Werkstoff, Verkauf von Zwischenprodukten zur weiteren Verarbeitung. Sie bezweckt Massnahmen aller Art, um die wirtschaftliche Not des Landes Mecklenburg zu lindern und den Umsiedlerfachkräften wieder Arbeit in ihrem Beruf zu geben.
 
Der Betrieb konnte nur wenige Monate bis August 1947 in genossenschaftlicher Form arbeiten.
 
Ab 1. Januar 1949 volkseigener Betrieb.
 
Die Entwicklung hört sich zwar sehr einfach an, aber der Aufbau des Werkes war mit den allergrößten Anstrengungen und Mühen verbunden. Die Baracken enthielten am Anfang weder Öfen noch Lichtschalter, es waren einfach nur die vier Wände vorhanden. Zum Bau des ersten Röstofens wurden die notwendigen Mauersteine aus den Trümmern des ehemaligen Munitionslagers Tilzow geborgen.
 
1947 bestand die Belegschaft aus 48 Flüchtlingen, und aufwendige Handarbeit dominierte. Durch die Nutzung wieder reparierter und umgebauter Maschinen konnte die Zahl der Arbeiter von 120 im Jahr 1948 auf 80 im Jahre 1949 reduziert werden. Durch die Mechanisierung stieg die Jahreskapazität von 1948 bis 1950 von 100 auf 259 Tonnen Flachsstroh.
 
Anfang der fünfziger Jahre wurde der Lauterbacher Betrieb der Flachsröste in Burg Stargard angegliedert.
 
1954 wurde der Lauterbacher Teilbetrieb aufgelöst.

 
 

Wolfgang Hoge, der letzte Schmied der LPG (P) Lauterbach, ca. 1991