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Richtfest I Pergamonmuseum

Berliner Morgenpost, 3. Mai 2019
 

Foto: flz

 

Nach sechsjähriger Bauzeit: Richtfest für das Pergamonmuseum

 

Das Unesco-Weltkulturerbe in Mitte wird behutsam saniert.
Die Arbeiten werden aber noch viele Jahre dauern.

 
Berlin. Ameisenklein wirkt der Polier, der auf dem Dach des „Tempiettos“ steht und den Richtspruch sagt. Denn wie ein Tempelchen wirkt das neue Entrée zum Pergamonmuseum mit seiner Höhe von mehr als zwölf Metern und einer Grundfläche von 20 mal 20 Metern nun wahrlich nicht. Aber das passt zum Pergamonmuseum, dem „gigantischen, größten, monumentalsten Bauwerk auf der Museumsinsel“, wie es Bauherr Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, beschreibt. Denn die 2013 begonnene und noch längst nicht abgeschlossene Grundinstandsetzung und Erweiterung des imposanten Herzstücks der Museumsinsel ist noch längst nicht fertig. Am Freitag ist nach sechsjähriger Bauzeit immerhin ein erster wichtiger Meilenstein erreicht: Der Rohbau des Bauabschnitts A ist abgeschlossen, das Richtfest wird mit mehr als 700 geladenen Gästen gefeiert.
 
Noch 750.000 Besucher kommen im Jahr
„Trotz der Teilschließung ist das Pergamonmuseum unser Besuchermagnet geblieben“, sagt Parzinger in seiner Ansprache. 750.000 Gäste kamen 2018, obwohl das Highlight des Hauses, der berühmte Pergamonaltar, gar nicht zu sehen ist. Das ist zwar immer noch eine stolze Zahl, die aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass das Museum während der Bauzeit deutlich an Gunst eingebüßt hat: Vor Beginn kamen jährlich 1,5 Millionen Menschen. Damit war das Pergamonmuseum das am besten besuchte Museum der Bundesrepublik.
 
Seit sechs Jahren wird das in den Jahren 1910 bis 1930 errichtete Gebäude nun erstmals von Grund auf saniert, während im Südflügel der Museumsbetrieb weitergeht (siehe Grafik). Die Wiederöffnung des ersten Bauabschnitts mit dem Pergamonaltar ist zwischen Mitte 2023 und Anfang 2025 geplant – mindestens vier Jahre später als ursprünglich geplant. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung musste eine Steigerung der ursprünglich geplanten Kosten für den ersten Bauabschnitt von 261 Millionen Euro auf 477 Millionen Euro verkünden. Hauptgrund waren die Überreste von zwei historischen Pumpenhäusern, die ausgerechnet dort entdeckt wurden, wo die unterirdische Archäologische Promenade die Museen auf der Insel miteinander verbinden soll.
 
700 Tonnen Stahl für Gerüste und Stützkonstruktionen
„Die Ereignisse um Notre-Dame haben uns vor Augen geführt, mit wie viel Sorgfalt und Achtsamkeit wir vorgehen müssen und welche Verantwortung bei denen liegt, die solche monumentalen und gleichzeitig fragilen Bauwerke sanieren“, verteidigt Parzinger den enormen Aufwand zur Sicherung der Baumaßnahmen, der maßgeblich zur Verteuerung und Verzögerung der Arbeiten beigetragen hat. Zur Verdeutlichung: 700 Tonnen Stahl wurden für Gerüste und Stützkonstruktionen sowie 7000 Quadratmeter Wetterschutzdächer errichtet. Zudem wurden sämtliche im Gebäude verbliebenen Exponate der Antikensammlung im Pergamonsaal und im Hellenistischen Saal mit Sensoren verkabelt, die bei kleinsten Erschütterungen Alarm auslösten. Auch die Vertreterin aus dem Bundesbauministerium, Staatssekretärin Anne Katrin Bohle, betont: „Für die Bundesregierung sind der Erhalt und die Erweiterung des Weltkulturerbes Museumsinsel von zentraler Bedeutung.“ Der Bund investiere in Museumsinsel und Humboldt Forum seit der Wiedervereinigung rund zwei Milliarden Euro. „Mit der Errichtung des Rohbaus des Tempiettos ist nun der Baufortschritt auch vom Kupfergraben aus deutlich sichtbar“, sagt der mit den Sanierungs- und Neubauarbeiten beauftragte Architekt Jan Kleihues.
 
Auch inhaltliche Gründe für die Bauarbeiten
In seiner Ansprache erinnert er daran, dass ein wichtiger Akteur auf der Feier fehlt. Bereits im Jahr 2000 hatte Oswald Mathias Ungers den Wettbewerb gewonnen. Ungers starb 2007, deshalb führt Kleihues nun die Arbeit des Kollegen fort. „Leider kann Ungers nicht mehr miterleben, wie sein letztes großes Werk Wirklichkeit wird“, so Kleihues.
 
Neben der schlechten Bausubstanz, der fehlenden Barrierefreiheit und einer unzureichenden technischen Ausstattung gibt es auch inhaltliche Gründe, die die Bauarbeiten erforderlich machten. So sollen alle archäologischen Sammlungen der einst geteilten Stadt mit den Großarchitekturen des Ägyptischen Museums, die derzeit noch in Charlottenburg gezeigt werden, zu einem großen Panorama der Weltarchitektur zusammengeführt werden.
 
Rundgang durch 3200 Jahre Architekturgeschichte
Schon im ursprünglichen Entwurfsgedanken Alfred Messels war ein vierter Flügel als Verbindungsbau zwischen Nord- und Südflügel vorgesehen. „Ungers hat diese Idee aufgegriffen, durch die nach der Fertigstellung ein chronologischer Rundgang durch 3200 Jahre Architekturgeschichte entsteht“, so Kleihues weiter. Bis es soweit ist, werden noch einige Jahre vergehen. Gerade erst wurden für die Planungsarbeiten des zweiten Bauabschnitts, der auch den neuen vierten Flügel umfassen wird, zwölf Millionen Euro bewilligt.
 
 

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